Am 22. April 2026 wird das Curiohaus in Hamburg zum Schauplatz einer bewegenden Veranstaltung, die sich mit den NS-Kriegsverbrechen in Wandsbek beschäftigt. Unter dem Titel „Sasel Case: Den Tätern auf der Spur“ wird von 19 bis 21 Uhr die erste von drei Veranstaltungen stattfinden, die sich mit den Prozessen vor britischen Militärgerichten auseinandersetzt. Die Referentin, Lucille Eichengreen, eine ehemalige Häftling des KZ Sasel, wird ihre Erfahrungen teilen und darüber berichten, wie sie britischen Militärbehörden half, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Veranstaltung ist nicht nur ein Rückblick auf eine dunkle Zeit der Geschichte, sondern auch ein wichtiger Diskussionsraum über die Aufarbeitung von Verbrechen. Eichengreen, die auch ihr Buch „Von Asche zum Leben“ neu aufgelegt hat, wird zusammen mit Ursula Wamser und Wilfried Weinke, die über ihre Begegnungen mit ihr berichten, die Schlüsselmomente der Täterfahndung beleuchten. Uwe Leps wird zudem über Emil Bruhns sprechen, der wegen der Misshandlungen an jüdischen Frauen im KZ Sasel angeklagt wurde.
Weitere Termine und Themen
Die Reihe setzt sich fort mit weiteren Veranstaltungen: Am 20. Mai 2026 wird das Thema „Poppenbüttel Case – Schuld und Sühne“ behandelt, gefolgt von „Wandsbek Case – Ich habe nur Befehle ausgeführt“ am 15. Juni 2026. Diese Veranstaltungen bieten nicht nur Einblicke in die juristischen Prozesse, sondern auch in die menschlichen Schicksale hinter den Verbrechen.
Die Zugänglichkeit des Curiohauses ist barrierefrei, sodass jeder die Möglichkeit hat, an diesen wichtigen Gesprächen teilzunehmen. Wer mehr über Lucille Eichengreen erfahren möchte, findet Informationen auf der Webseite des Wandsbeker Weges der Erinnerung, wo auch eine Stele zu Ehren Eichengreens zu finden ist.
Ein historischer Kontext
Diese Veranstaltungen sind Teil der umfassenden Aufarbeitung von NS-Verbrechen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und darüber hinaus stattfand. Die sogenannten NS-Prozesse, die unter dem Begriff „NSG-Verfahren“ im Fachdiskurs und „Kriegsverbrecherprozesse“ im Alltagsdiskurs bekannt sind, zielten darauf ab, die Verantwortlichen für die Gräueltaten des Nationalsozialismus zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Prozesse umfassten Verbrechen wie den Holocaust, Euthanasie-Morde und andere Menschenrechtsverletzungen.
Der Nürnberger Prozess, der von November 1945 bis Oktober 1946 stattfand, war der erste und bedeutendste dieser Prozesse, gefolgt von zahlreichen Nachfolgeprozessen in den Besatzungszonen. Auch deutsche und österreichische Strafgerichte führten Verfahren gegen NS-Verbrecher durch. Die politischen Umstände, wie der Kalte Krieg, beeinflussten jedoch die Zielsetzungen und den Umfang dieser Strafverfolgungen erheblich.
Die Entschlossenheit der Alliierten, die NS-Verbrecher zu bestrafen, wurde bereits 1942 in der St. James Palace Declaration festgehalten. Diese Entschlossenheit führte zur Gründung der United Nations War Crimes Commission (UNWCC) im Jahr 1943, die Beweismaterialien sammelte, um die Verbrechen aufzuarbeiten. Auch nach Kriegsende blieben die Bemühungen zur Verurteilung von NS-Verbrechern bis in die 1960er Jahre bestehen, als das Gesetz über die Nichtverjährung von Nazi- und Kriegsverbrechen verabschiedet wurde.
Die Ereignisse im Curiohaus am 22. April sind somit nicht nur eine Gedenkveranstaltung, sondern auch ein wichtiger Teil der fortwährenden Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Für weitere Informationen zu den Veranstaltungen und zur Person Lucille Eichengreen besuchen Sie bitte die offiziellen Seiten der Stadt Hamburg unter hamburg.de und vertiefen Sie Ihr Wissen über die NS-Prozesse auf Wikipedia.