In Hamburg brodelt es gerade gewaltig, denn das Thema Olympia-Bewerbung steht im Mittelpunkt der politischen Agenda. Am kommenden Samstag, dem 22. April 2026, findet in der Medienschule Wandsbek eine wichtige Landesmitgliederversammlung der Grünen statt, die von den Parteichefs Selina Storm und Leon Alam geleitet wird. Besprochen werden sollen zwei grundlegende Leitanträge, die da lauten: „Für grüne und nachhaltige Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg“ und „Hamburg bleibt solidarisch: Mit klugen und gerechten Reformen Sozialstaat sichern und Armut bekämpfen“.
Insgesamt haben die Grünen fast 40 Anträge zu verschiedenen Themen vorbereitet, die auf der Tagesordnung stehen. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf einer grünen Reformagenda liegen, die sich mit der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen beschäftigt. Wahlen sind für diese Versammlung nicht angesetzt, aber die Parteispitze plant, den Landesvorstand von sieben auf neun Mitglieder zu erweitern, was für frischen Wind sorgen könnte.
Hamburg im Olympia-Rennen
Die Diskussion rund um die Olympia-Bewerbungen in Deutschland wird immer heißer. Hamburg ist zusammen mit München, Berlin und der Region Rhein-Ruhr als Kandidat für eine mögliche Bewerbung um die Olympischen Spiele im Gespräch. Die letzten Spiele in Deutschland fanden 1972 in München statt, und seitdem gab es einige gescheiterte Bewerbungen – darunter auch Hamburgs jüngster Versuch, die Sommerspiele 2024 auszurichten. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht einen klaren Bedarf für eine neue Bewerbung und verfolgt einen anderen Ansatz: mehr Bürgerdialog und Beteiligung.
In der Tat haben die letzten zwei Jahrzehnte sieben fehlgeschlagene Bewerbungen hinterlassen, darunter auch eine die Rhein-Ruhr-Initiative für 2032, die nicht in die Endrunde kam. Hamburg hat sich bislang immer wieder gegen einen Olympia-Standort ausgesprochen, zum Teil wegen Widerstand der Bevölkerung. Doch nun wird ein neuer Ansatz verfolgt, der auf Transparenz und Bürgerbeteiligung setzt. Geplant sind verschiedene Bürgerbefragungen und Referenden, bevor eine Entscheidung über den Austragungsort getroffen wird.
Bürgerbeteiligung im Fokus
Wie sieht es konkret aus? Die Entscheidung für den deutschen Bewerber soll Ende 2026 fallen, wobei bisher bereits die erste Stufe des nationalen Verfahrens abgeschlossen ist. Besonders spannend wird das erste Referendum in München am 26. Oktober, wo es bereits eine Zustimmung von 66,4 % für eine Bewerbung gab. Berlin plant kein Referendum, während Hamburg, Rhein-Ruhr und Kiel Bürgerentscheide im Frühjahr 2026 anstreben. Ein „Nein“ in München könnte die dortige Bewerbung beenden, was die gesamte Situation noch einmal komplizierter gestalten könnte. Auf der anderen Seite hat der DOSB keine Frist für die Bewerbungen angegeben, was bedeutet, dass einige Konkurrenten wie Indien oder Katar für 2036 weiterhin auf dem Radar sind.
Die Bedenken der Bevölkerung sind vielschichtig. Hohe Kosten, mögliche soziale Verdrängung und die Fragen von Intransparenz bei Vergabeverfahren stehen im Raum. Dennoch wird die generelle Debatte über die Stellung des Spitzensports in der Gesellschaft intensiv geführt. Experten schätzen die Chancen für eine Bewerbung im Jahr 2040 oder 2044 als realistischer ein, während Deutschland international nicht als Favorit gilt, insbesondere wenn man die starke Konkurrenz durch Städte wie London und Budapest sowie mögliche Bewerbungen aus afrikanischen Ländern betrachtet.
Nun bleibt abzuwarten, wie die Hamburger Grünen dieses heiße Thema in der kommenden Versammlung aufgreifen und welche Impulse sie für die Olympia-Bewerbung und die sozialen Reformen setzen werden.