Am Montag, den 15. Juni 2026, wird im Curiohaus in Hamburg ein ganz besonderer Vortrag stattfinden, der die dunklen Kapitel unserer Geschichte aufgreift und uns zur Auseinandersetzung einlädt. Zwischen 19 und 21 Uhr wird Stefan Romey die Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit nehmen – eine Zeit, die geprägt war von Zwangsarbeit und Gräueltaten. Das Thema des Vortrags: „Ich habe nur Befehle ausgeführt – die fehlende Reue der Täterinnen und Täter“.
Wir schreiben das Jahr 1944, als das Außenlager des KZ Neuengamme in Wandsbek ins Leben gerufen wurde. Über 500 Frauen aus verschiedenen Ländern wurden gezwungen, Gasmasken zu produzieren. Die Arbeitsbedingungen waren alles andere als human: 12-Stunden-Schichten, Misshandlungen und Schikanen gehörten zum Alltag. Der SS-Lagerführer Johannes Steenbock, der für den Tod mehrerer Häftlinge verantwortlich war, zeigte nie ein Zeichen von Schuld oder Reue. Das ist die düstere Kulisse, vor der Romey seine Analyse des sogenannten Wandsbek Cases einordnet. Er wird die Aussagen der Täter mit den Berichten der Häftlinge vergleichen und die Entstehungsgeschichte des Außenlagers näher beleuchten.
Ein Licht auf die Vergangenheit werfen
Die Bezirksversammlung Wandsbek hat sich der Erinnerungsarbeit verschrieben. Geplant ist die Errichtung einer Gedenkstätte am Ort des ehemaligen KZ, um den Opfern ein Stück ihrer Würde zurückzugeben. Zudem wird der „Wandsbeker Weg der Erinnerung an Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus“ ins Leben gerufen – ein wichtiger Schritt, um die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Doch die Auseinandersetzung mit der Geschichte endet nicht bei der lokalpolitischen Ebene. Rund 2,2 Millionen Menschen haben Anträge auf symbolische Entschädigung bei der Stiftung EVZ und ihren Partnern eingereicht. Diese Antragsteller:innen haben ihre Schicksale dokumentiert und belegt. Die Antragsunterlagen wurden teilweise in nationale Archive übergeben und sind dort nur eingeschränkt zugänglich. In Deutschland werden Akten über die Entschädigungen von Zwangsarbeiter:innen im Bundesarchiv verwahrt, wo sie gemäß dem Bundesarchivgesetz eingesehen werden können.
Ein Blick auf die Gedenkinitiativen
In verschiedenen Ländern gibt es Bestrebungen, den Opfern der nationalsozialistischen Repressionen ein Gesicht zu geben. In der Russischen Föderation beispielsweise wurden Unterlagen im Staatsarchiv übergeben, und in Polen erstellt die Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ eine Internetdatenbank über Personenverluste. Diese Initiativen zeigen, wie wichtig es ist, die Erinnerung wachzuhalten und die Geschichten der Betroffenen zu erzählen.
Ein Blick auf die anstehende Veranstaltung im Curiohaus zeigt, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit ein nie endender Prozess ist. Es ist eine drängende Pflicht, sich mit dem Unrecht auseinanderzusetzen, das in unseren Städten geschah. Wenn wir uns den Geschichten der Opfer und der Täter stellen, können wir vielleicht ein Stück weit verhindern, dass sich solche Gräueltaten wiederholen. Also, seien Sie dabei und lassen Sie uns gemeinsam die Stimmen der Vergangenheit anhören – denn sie sind es wert, gehört zu werden.