In der letzten Zeit hat sich im Schienengüterverkehr in Norddeutschland eine regelrechte Katastrophe zusammengebraut. Die Bundesnetzagentur spricht von massiven Verzögerungen und Störungen, die in erster Linie durch die Korridorsanierung zwischen Hamburg und Berlin verursacht werden. Der Verband „Die Güterbahnen“ ist alarmiert – und das zu Recht. Die Situation ist so ernst, dass einige privatwirtschaftliche Bahnbetreiber mit Insolvenzen konfrontiert sind, was natürlich die gesamte Branche in Aufruhr versetzt.
Der Hamburger Hafen, als wichtigster deutscher Seehafen für den Schienengüterverkehr, ist von diesen Problemen besonders betroffen. Rückstaus, Zugstillstände und Netzblockaden im Raum Hannover und auf den Nord-Süd-Achsen sind nur einige der Auswirkungen. Die Geschäftsführerin von „Die Güterbahnen“, Neele Wesseln, äußert sich besorgt über die Erreichbarkeit der Betriebszentralen der DB und die Stillstände der Güterzüge. Ein echtes Chaos, das sich da zusammenbraut!
Störungen und Schäden
Die Ursachen sind vielfältig. Neben der Korridorsanierung gibt es technische Probleme wie Oberleitungsstörungen und Weichenstörungen, die den Schienengüterverkehr zusätzlich belasten. Besonders heftig hat es die Strecke zwischen Hannover und Lehrte getroffen. Laut Peter Westenberger, Geschäftsführer der GÜTERBAHNEN, wird allein die letzte Nacht wohl einen sechsstelligen Schaden verursacht haben. Die Störungen werden nicht nur Tage, sondern möglicherweise Wochen spürbar sein. Und die Verzögerungen auf der Strecke Hamburg–Berlin? Die Wiederinbetriebnahme wurde erneut verschoben, was die Situation weiter verschärft.
Die Gleissperrungen, die vom 23. bis 25. Mai wegen Gleisarbeiten der Hamburg Port Authority stattfanden, haben die Lage noch zusätzlich angeheizt. Es ist einfach frustrierend, wenn man bedenkt, dass die DB InfraGO vor der Komplettsperrung auf die Gefahren hingewiesen wurde, aber die Strecken nicht ausreichend ertüchtigt wurden. Ein klassischer Fall von „Wir haben’s gewusst, aber nichts unternommen“.
Die Zahlen sprechen für sich
Die Statistiken sind alarmierend. Aktuell liegt der Anteil der Schiene im Modal Split in Deutschland unter 20 Prozent, während 70-75 Prozent der Güter per Lkw transportiert werden. Ein Umstand, der nicht nur die Umwelt belastet, sondern auch die Wirtschaft in eine prekäre Lage bringt. Über 50 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass der Schienengüterverkehr nicht mehr als 20 Prozent des Gesamttransportaufkommens ausmacht. Ein Dilemma, das durch die aktuelle Infrastruktur und unzureichende Kapazitäten nur noch verstärkt wird.
Die Unternehmen sind frustriert, die Kundenzufriedenheit sinkt, und mit jedem Tag, an dem die Störungen anhalten, wächst auch die Sorge um die Zukunft des Schienengüterverkehrs. Es gibt ein großes Interesse an einer stärkeren Nutzung der Schiene – immerhin haben 52 Prozent der Befragten dies geäußert. Aber ohne effektive Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur wird der Schienengüterverkehr wohl weiterhin in der Warteschleife stecken.
Die Herausforderungen sind riesig: Engpässe, unkoordinierte Baustellen und fehlende Anschlussgleise behindern die Verlagerung von Transporten auf die Schiene. Und während die Unternehmen versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben, bleibt die Frage, wie lange sie das noch durchhalten können. Es braucht dringend eine Überarbeitung der Baustellen- und Umleitungskonzepte, um den Nordkorridor zu stabilisieren und die Erreichbarkeit des Hamburger Hafens zu sichern.