In Hamburg-Nord ist die Natur oft ganz nah. An den Ufern von Außen- und Binnenalster tummeln sich zahlreiche Enten und Gänse, die die Gewässer beleben. Doch das idyllische Bild kann trügerisch sein, wie ein kürzlicher Vorfall zeigt, bei dem ein Rabe ein Gänseküken jagte. Solche Szenen sind Teil des natürlichen Kreislaufs, wie Olaf Nieß vom Hamburger Schwanenwesen erklärt. Die Tiere, die mitunter als friedlich gelten, sind Teil eines komplexen Systems, in dem das Überleben oft alles bedeutet.
Bei der Fortpflanzung legen Enten im Durchschnitt zwischen 12 und 14 Küken. Am Ende der Saison bleibt jedoch oft nur ein Pärchen übrig, was die Herausforderungen der Natur verdeutlicht. Raben nutzen in diesen Momenten ihre Chance und greifen an. Passanten, die Zeugen solcher Angriffe werden, sollten sich jedoch zurückhalten und den Raben nicht vertreiben. Andernfalls könnte das Küken allein gelassen werden und in akuter Gefahr schweben. Kommt es zu einem solchen Vorfall, kann ein verletztes Küken in eine Wildtierstation gebracht werden, wo Fachleute versuchen, den kleinen Geschöpfen zu helfen. Leider haben viele verletzte Küken nur geringe Überlebenschancen, was die Dramatik der Situation verstärkt.
Ein Blick auf die Gänse-Eltern
Interessanterweise sind Gänse-Eltern oft nicht in der Lage, die Anzahl ihrer Küken zu zählen. Sie reagieren lediglich auf Rufe und Bewegungen ihrer Kleinen, was sie in ihrer Fürsorge stark einschränkt. Das Hamburger Schwanenwesen kümmert sich jährlich um 60 bis 70 Küken und zieht zwischen 600 und 800 verwaiste Jungtiere auf, darunter nicht nur Küken von Gänsen, sondern auch von Enten und Schwänen sowie junge Füchse. Dies zeigt, wie wichtig solche Einrichtungen für den Erhalt der Artenvielfalt in urbanen Gebieten sind.
Die Anpassung der Wildtiere an städtische Gegebenheiten
Die Stadt ist jedoch nicht nur von Wasservögeln geprägt. Auch Wildschweine und Füchse haben sich an das städtische Leben angepasst, insbesondere in gartenreichen Randbezirken. Wildschweine, die in Gruppen, sogenannten Rotten, auftreten, durchwühlen den Boden auf der Suche nach Nahrung. Dabei hinterlassen sie oft einen verwüsteten Rasen, da sie nach Wurzeln, Würmern und anderen Leckerbissen suchen. Füchse, die in vielen Städten wie Köln über 1.000 Individuen zählen, leben ebenfalls unter uns, was nicht jeder zu schätzen weiß. Es gibt eine gewisse Skepsis gegenüber diesen Tieren, insbesondere wegen der Angst vor Tollwut, obwohl Deutschland seit vielen Jahren tollwutfrei ist.
Wildtiere in städtischen Gebieten sind nicht nur ein Zeichen der Artenvielfalt, sondern auch ein Hinweis darauf, wie eng wir mit der Natur verbunden sind, selbst in urbanen Räumen. Für viele Menschen ist es eine Herausforderung, mit der Anwesenheit dieser Tiere umzugehen. Doch wie Olaf Nieß treffend bemerkt, sind solche Situationen Teil der Natur, und wir sollten lernen, sie als solche zu akzeptieren.
Für mehr Informationen zum Thema Wildtiere in Städten, werfen Sie einen Blick auf die Seite des Tierschutzbundes.