In der heutigen Zeit steigen die Überlebensraten bei Krebserkrankungen erfreulicherweise stetig an. Doch mit dieser positiven Entwicklung geht die Notwendigkeit einher, auch die Nachbehandlung und den Verlauf der Erkrankung detailliert zu erfassen. Ein europäischer Expertenkonsens, veröffentlicht von Hawkins ST et al. (2026) in der Fachzeitschrift „Cancer Epidemiology“, hat sich genau diesem Thema gewidmet: der systematischen Erfassung von Krebsrezidiven und -progressionen durch bevölkerungsbasierte Krebsregister. Diese Initiative ist von großer Bedeutung, denn der Mangel an einheitlichen Definitionen und Erhebungsstandards in Europa erschwert eine präzise Datenauswertung und den Vergleich zwischen den Ländern.

Eine Arbeitsgruppe des European Network of Cancer Registries (ENCR) hat daher Empfehlungen entwickelt, die klare Definitionen, Variablen und Kodierungsstandards für die Erfassung von Rezidiven und Progressionen bieten. Ein Rezidiv bezeichnet dabei das Wiederauftreten der Erkrankung nach einer krankheitsfreien Phase, während die Progression das Fortschreiten der Erkrankung ohne vollständige Remission beschreibt. Eine Umfrage unter 161 Krebsregistern ergab, dass lediglich 31% der Register Rezidiv- und Progressionsereignisse für alle Tumorarten erfassen. Für ausgewählte Tumorarten sind es sogar nur 11%. Die Gründe für diese Diskrepanz liegen häufig in begrenzten Ressourcen, einem hohen Schulungsbedarf und eingeschränktem Zugang zu klinischen Daten.

Standards für die Krebsregistrierung

Die ENCR-Empfehlungen stellen somit eine wichtige Grundlage für die standardisierte und international vergleichbare Erfassung von Rezidiven und Progressionen dar. Doch was bedeutet das konkret für die Praxis? In Deutschland ist das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Robert Koch-Institut angesiedelt und spielt eine zentrale Rolle bei der Überprüfung, Zusammenfassung und Auswertung epidemiologischer Daten. Das ZfKD ermöglicht es Nutzern, eigene Datenbankabfragen zur Häufigkeit und Prognose verschiedener Krebserkrankungen durchzuführen.

Alle zwei Jahre wird der Bericht „Krebs in Deutschland“ vom ZfKD in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) veröffentlicht. Darüber hinaus erstellt das ZfKD alle fünf Jahre einen umfassenden Bericht über das Krebsgeschehen in Deutschland, der wertvolle Einblicke in die Epidemiologie bietet. Solche Daten sind essenziell, um den Fortschritt in der Krebsforschung und -behandlung besser nachvollziehen zu können.

Ressourcen und Auswertungen

Das Deutsche Krebsregister e.V. (DKR) fördert die einheitliche Dokumentation und Auswertung von Krebsregisterdaten in Deutschland. Besonders hervorzuheben ist der DRK-Atlas, der es ermöglicht, epidemiologische Daten zu verschiedenen Krebserkrankungen grafisch oder tabellarisch darzustellen. Auf den Seiten des DKR gibt es zudem eine detaillierte Auflistung der bevölkerungsbezogenen Krebsregister der Bundesländer, die häufig mit spezifischen Zahlen nach Lokalisation aufwarten.

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Einige epidemiologische Krebsregister bieten sogar detailliertere Auswertungen nach Tumorgröße, Stadium oder Subtyp an, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Besonders hervorgehoben wird auch das Deutsche Kinderkrebsregister, das Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren bundesweit erfasst und wertet.

Insgesamt zeigt sich, dass die standardisierte Erfassung von Krebsrezidiven und -progressionen nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Verbesserung der Patientenversorgung von entscheidender Bedeutung ist. Nur durch eine präzise und einheitliche Dokumentation können die Fortschritte in der Krebsbehandlung nachhaltig gesichert und optimiert werden.