Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte: Hoffnung auf Wandel!
Die Stadt Hamburg hat nun eine neue Antisemitismusbeauftragte: Anna von Villiez übernimmt die Verantwortung in einer position, die seit dem Rücktritt von Stefan Hensel vor neun Monaten vakant war. Der rot-grüne Hamburger Senat hat sie gewählt, um gegen den Anstieg antisemitischer Übergriffe und Diskriminierungen vorzugehen. Diese Entscheidung folgt auf ein langwieriges Besetzungsverfahren, das unter anderem wegen einer Klage eines Mitbewerbers aus dem Israelitischen Tempelverband ins Stocken geriet. [taz] berichtet, dass Eike Steinig, der unterlegene Bewerber, damit unzufrieden ist und eine Amtsführung einfordert, die die Vielfalt des Judentums in Hamburg anerkennt.
Die Hintergründe des Streits sind brisant: Die liberale Gemeinde sieht sich von der Stadt benachteiligt, während die orthodoxe Jüdische Gemeinde Hamburg und der Israelitische Tempelverband um Gleichbehandlung kämpfen. Politische Unterstützung genießt von Villiez von Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal, die ihre wissenschaftliche Expertise und Erfahrung im Dialog mit der Stadtgesellschaft lobt. Diese Expertise ist wichtig, da jüngste Studien die alarmierenden Ausmaße von Antisemitismus in Hamburg aufdecken.
Alarmierende Zahlen und eine neue Herausforderung
Eine Dunkelfeldstudie, die von November 2023 bis Februar 2024 durchgeführt wurde, beleuchtet das jüdische Leben in Hamburg und zeigt, dass 77% der befragten 548 Jüdinnen und Juden von antisemitischen Vorfällen berichten. 55% waren von strafrechtlich relevanten Übergriffen betroffen. Die häufigsten Vorfälle sind Beleidigungen und Bedrohungen, sowohl online als auch offline. Erschreckend ist, dass 89% der Betroffenen angeben, ihre Religion nicht frei ausüben zu können, und viele greifen darauf zurück, ihre jüdische Identität nicht sichtbar zu machen. Diese resultierenden Ängste haben auch zur Besorgnis über den Rückgang des Vertrauens in öffentliche Institutionen geführt, wie Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank betont. [Hamburg.de] fordert nun eine verstärkte Auseinandersetzung mit diesem Problem.
Als Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule bringt Anna von Villiez umfangreiche Erfahrungen sowohl in der Medizingeschichte des Nationalsozialismus als auch im Dialog mit der Stadtgesellschaft mit. In ihrem neuen Ehrenamt, das an die Wissenschaftsbehörde angegliedert ist, hat sie sich zum Ziel gesetzt, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten und das jüdische Leben in Hamburg sichtbarer zu machen. Sie blickt optimistisch auf ihre Aufgabe, möchte jüdische Identität stärken und fordert eine respektvolle Diskussion über jüdisches Leben.
Eine spaltende Vorgeschichte
Die Auseinandersetzungen um die Antisemitismusbeauftragte sind nicht neu. Der vorherige Amtsinhaber Hensel war unter Druck geraten, da seine Amtszeit von einer Zunahme antisemitischer Übergriffe und persönlichen Anfeindungen überschattet war. Trotz dieser Herausforderungen bleibt er weiterhin für jüdisches Leben aktiv und plant gemeinsam mit der Hamburger CDU einen Aktionsplan gegen Antisemitismus. Hensel wird als politischer Berater des CDU-Fraktionschefs Dennis Thering tätig werden. [ndr] beleuchtet, dass es für von Villiez nun darum geht, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und eine einladende Amtsführung zu gewährleisten.
In Kernsatz: Die Herausforderungen, die vor Anna von Villiez liegen, sind vielfältig. Sie trifft in Hamburg auf eine gesellschaftlich gespaltene Landschaft und muss ihre Stimme in einem Klima starkem Antisemitismus behaupten. Doch mit ihrem Engagement und der Unterstützung durch die Stadtgesellschaft ist sie fest entschlossen, das jüdische Leben in Hamburg zu fördern und zu schützen.
