Heute ist der 13.05.2026, und in Eppendorf gibt es Geschichten, die einem den Atem rauben. Eine solche Geschichte ist die von Hendrik Schmidt, der beim Hamburg-Marathon seine persönliche Bestzeit von 3:27:31 aufstellte. Ein großartiger Erfolg, könnte man meinen – doch nur wenige Minuten nach dem Zieleinlauf brach er zusammen. Herzstillstand. Plötzlich hat sich das fröhliche Treiben in ein Drama verwandelt.
Die Szenerie war hektisch. Was war da passiert? Minutenlang wurde Hendrik reanimiert. 100 bis 120 Kompressionen pro Minute – das klingt wie eine Szene aus einem Film, aber das war die Realität. Das Herz des Läufers wollte einfach nicht mehr schlagen. Doch die Ersthelfer und Ärzte gaben nicht auf, und schließlich begann sein Herz wieder zu schlagen. Als Hendrik im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erwachte, war er zunächst verwirrt. Er hatte keine Symptome, fühlte sich topfit und hatte erst im November eine positive sportmedizinische Untersuchung hinter sich. Die Ungewissheit über die Ursache seines Herzstillstands bleibt – Untersuchungen ergaben keine Auffälligkeiten.
Ein Defibrillator für die Sicherheit
Der Notfallpass auf seiner Startnummer war unausgefüllt, was zeigt, wie sicher sich Hendrik gefühlt hatte. Doch das Schicksal kann manchmal überraschend zuschlagen. In Zukunft wird er einen Defibrillator erhalten – eine wichtige Maßnahme, um bei möglichen Herzrhythmusstörungen schnell eingreifen zu können. Hendrik plant keine weiteren Marathons, doch aufgeben ist nicht sein Stil. Er möchte weiterhin Sport treiben, aber auf eine gesunde Art und Weise. Dankbarkeit empfindet er gegenüber all denjenigen, die ihm in dieser kritischen Situation geholfen haben – den Ersthelfern, den Ärzten und den Veranstaltern des Marathons. Seine ersten Schritte zur Genesung? Täglich etwa 8000 Schritte im Krankenhaus. Ein Anfang, der Mut macht.
Dass solche Vorfälle nicht die Regel sind, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Zwischen 2010 und 2023 haben in den USA fast 29,3 Millionen Menschen an einem Marathon oder Halbmarathon teilgenommen. Die Zahl der Läufer hat sich im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt verdreifacht. Und während diese Menschen über die Strecken jagen, kommt es immer wieder zu Herzstillständen. Doch erstaunlicherweise ist die Anzahl der Todesfälle im Verhältnis um die Hälfte gesunken. Man könnte sagen, das ist ein Lichtblick!
Die Rolle der Defibrillatoren
Eine Untersuchung im Fachmagazin JAMA liefert interessante Erkenntnisse. Überlebende von Herzstillständen erhielten alle eine Herzdruckmassage, und die Mehrheit hatte sofort Zugang zu einem öffentlichen Defibrillator. Strategische Platzierung dieser lebensrettenden Geräte entlang von Marathonstrecken hat sich als entscheidend herausgestellt. Die Überlebensrate bei Rennen ist mittlerweile vergleichbar mit der bei Herzstillständen an anderen öffentlichen Orten – wie Flughäfen oder Kasinos, wo Defibrillatoren routinemäßig zur Verfügung stehen. Hier sind die Todesfälle ebenfalls deutlich zurückgegangen.
Es ist eine Art von Fortschritt, der Hoffnung macht. Hendrik Schmidt ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie wichtig schnelle Hilfe und moderne medizinische Technik sind. Seine Geschichte zeigt uns, dass wir nie zu sicher sein sollten, egal wie fit wir uns fühlen. Und letztlich erinnert sie uns daran, dass es im Leben oft auf die kleinen Dinge ankommt – wie die Fähigkeit, wieder aufzustehen und weiterzumachen, auch wenn die Dinge nicht nach Plan laufen. Es ist nicht das Ende, sondern vielleicht der Beginn eines neuen Kapitels.
Für mehr Informationen zu diesem Thema und den Entwicklungen in der Marathonwelt, werfen Sie einen Blick auf taz.de.