In Hamburg tut sich einiges im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat 2024 die Innovative Digitale Medizin (IDM gGmbH) aus der Taufe gehoben, um Künstliche Intelligenz (KI) für den deutschsprachigen Gesundheitsraum zu entwickeln. Die IDM zielt darauf ab, nicht nur das eigene UKE, sondern auch andere Kliniken und Praxen von diesen innovativen Technologien profitieren zu lassen. Laut Heise stehen mehr als sieben Millionen dokumentierte Patientenfälle zur Verfügung, die als Grundlage für das Training der KI-Modelle dienen. Dabei wird höchste Priorität auf Datenschutz gelegt; alle Daten werden anonymisiert und bleiben innerhalb der Klinik.
Das Flaggschiff unter den neuen Produkten ist das Sprachmodell Argo. Es unterstützt Ärzte beim Schreiben von Arztbriefen und erstellt die Epikrise direkt aus der Patientenakte. Einmal generiert, können die Ärzte die vorgeschlagene Epikrise anpassen und in ihren Arztbrief übernehmen. Spätestens in diesem Jahr soll Argo als vollständiges Werkzeug für die Arztbriefschreibung bereitstehen. Dies könnte die noch bewährte Art, Arztbriefe zu verfassen, revolutionieren. Dr. Nils Schweingruber von der IDM hat die Vision, dass Kliniken ohne KI kaum mehr arbeitsfähig sein werden. Dabei ist er sich jedoch sicher, dass dies nicht zu Einsparungen führen wird, sondern eher zu einem Anstieg an Patientenaufkommen.
Die Rolle von KI im Gesundheitswesen
Was ist eigentlich der Reiz von KI im Gesundheitssektor? Sie wird nicht nur als neue Technologie angesehen, sondern hat sich zu einer echten, transformierenden Kraft entwickelt. Dies wird durch verschiedene Initiativen der EU unterstützt, welche darauf abzielt, den Zugang zu Gesundheitsdaten zu verbessern und die Nutzung von KI in der Gesundheitsversorgung zu fördern, so EC Health. KI kann für eine optimierte Ressourcenzuweisung sorgen und die Fehleranfälligkeit in der Diagnostik reduzieren. Beispielhafte Anwendungen sind Sepsis-Früherkennung auf Intensivstationen oder KI-gestützte Brustkrebserkennung, die beide deutlich die Effizienz im Gesundheitswesen steigern.
Ein weiterer Hit ist das zweite Produkt der IDM: Orpheus, eine KI-gestützte Spracherkennung. Dieses System, das seit Anfang 2025 am UKE im Einsatz ist, wird von allen 15.000 Mitarbeitenden des Klinikums genutzt und läuft an mehreren Universitätskliniken sowie über 200 ambulanten Gesundheitseinrichtungen. Wie Ärzteblatt berichtet, haben rund 80 bis 90 Prozent der Ärzte, die ein KI-gestütztes System zur Erstellung von Arztbriefen in der Augenklinik des UKE nutzen, positive Erfahrungen gemacht.
Der Weg in eine KI-gestützte Zukunft
Das UKE hat die Weichen bereits in die richtige Richtung gestellt. Die IDM plant, KI-Agenten für Diagnostik und Behandlung zu entwickeln und strebt eine Zertifizierung nach ISO 13485 an. Um auch kleinere Praxen ohne eigene Infrastruktur zu unterstützen, wird Orpheus in einer deutschen Cloud gehostet. Die IDM betont, dass es wichtig ist, eine eigene KI-Infrastruktur in Europa zu schaffen, um den Datenfluss an kommerzielle Anbieter zu vermeiden.
Durch die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Projekten und Initiativen wird dieses Vorhaben noch unterstrichen. Open-Source-Komponenten sollen ebenfalls in diesem Jahr veröffentlicht werden, um es noch mehr Akteuren im Gesundheitswesen zu ermöglichen, von KI zu profitieren. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, den Gesundheitssektor noch transparenter und effizienter zu gestalten.
Zusammenfassend lässt sich sagen: In der digitalen Transformation des Gesundheitswesens in Hamburg ist viel Bewegung. Ob mit Argo, Orpheus oder einer strategischen KI-Infrastruktur, die Chancen auf eine verbesserte Patientenversorgung sind groß. Die Herausforderung an alle Akteure wird sein, diese Chancen auch voll auszuschöpfen.