Heute ist der 8.03.2026 und es ist ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der Medizin. Vor genau 30 Jahren begann am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) ein Skandal, der die medizinische Welt erschütterte und das Vertrauen in die Strahlentherapie nachhaltig beeinträchtigte. Der sogenannte „Strahlenskandal“ gehört zu den größten Medizinskandalen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab Ende der 1980er-Jahre behandelten Chefärzte Krebskranke mit höheren radioaktiven Strahlen als zuvor üblich, was zu schweren gesundheitlichen Schäden führte. Viele Patienten erlitten bleibende Schäden, darunter Geschwüre und ständige Schmerzen. Der Skandal wurde durch den Patientenanwalt Wilhelm Funke und die „Mopo“ aufgedeckt, was die Öffentlichkeit auf die dramatischen Zustände aufmerksam machte.

Am 8. März 1996 begann der erste Gerichtsprozess am Hamburger Landgericht. 14 ehemalige Patientinnen der UKE-Frauenklinik klagten auf Schadensersatzansprüche gegen die Stadt Hamburg. Über 100 Frauen forderten Schmerzensgeld aufgrund von Schäden, die durch die Strahlenbehandlung verursacht wurden. Ein besonders tragisches Beispiel ist Lisa Arfe, deren Arm nach der Behandlung funktionslos ist und die morphiumhaltige Medikamente benötigt. Professor Klaus-Henning Hübener, der Leiter der Abteilung Strahlentherapie, wird beschuldigt, bewusst höhere Strahlendosen verwendet zu haben, die keine Verbesserung der Therapie brachten, aber schwere Nebenwirkungen verursachen konnten. Trotz der Vorwürfe räumte Hübener keine Fehler ein und rechtfertigte seine Therapieansätze.

Die Dimensionen des Skandals

Der Skandal, der 1993 mit Berichten über überhöhte Strahlendosen im UKE begann, führte zu einem massiven Vertrauensverlust in die Strahlentherapie. Auch die Frauenklinik des UKE unter der Leitung von Professor Hans-Joachim Frischbier war betroffen. Patientinnen klagten über Schmerzen und Schwellungen, und es stellte sich heraus, dass Frischbier Strahlendosen verabreichte, die laut neuen Leitlinien nicht mehr zulässig sind. Während der Rechtsstreitigkeiten erhielt Hübener weiterhin sein Gehalt, durfte jedoch nicht als Arzt arbeiten. Wissenschaftssenator Leonhard Hajen und seine Nachfolger entschädigten die Betroffenen mit rund 25 Millionen Euro, wobei die geschätzten Gesamtkosten über 100 Millionen Mark betrugen.

Eine wissenschaftliche Auswertung zeigte katastrophale Nebenwirkungen der von Hübener angewandten Sandwich-Methode. 85 % der Patienten erlitten schwere Nebenwirkungen, und es gab 11 Todesfälle in Verbindung mit der Bestrahlung. Die Hamburger Staatsanwaltschaft stellte die meisten Strafverfahren gegen Hübener und Frischbier ein, was die Betroffenen zusätzlich frustrierte. Inzwischen diskutieren deutsche Strahlentherapeuten erstmals über Leitlinien zur Strahlendosis in der Krebsbehandlung, um verlässliche Maßstäbe für Therapiestandards zu schaffen. Fehlende Standards führten nicht nur zu diesem Skandal, sondern auch zu weiteren Vorfällen in Hamburg, die seit fünf Jahren andauern.

Folgen und Lehren aus dem Skandal

Die genauen Zahlen der an Spätfolgen verstorbenen Patienten sind unklar, aber die Auswirkungen des Skandals sind tiefgreifend. Nach den Vorfällen wurden die Standards und Leitlinien im UKE angepasst und stärker reglementiert, um zukünftige Missstände zu vermeiden. Der Hamburger Senat hat Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Strahlenschäden, da viele Geschädigte weiterhin auf Bescheide warten. In diesem Zusammenhang wird auch die Verantwortung der Strahlentherapeuten angesprochen, die ihre Methoden und deren Risiken kritisch hinterfragen müssen.

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In Deutschland ist die Mammographie-Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs derzeit die einzige Reihenuntersuchung, die Röntgenstrahlung verwendet. Zielgruppe sind Frauen zwischen 50 und 75 Jahren. Zukünftig könnten weitere individuelle Früherkennungsmaßnahmen zugelassen werden, die auch andere Erkrankungen betreffen, wie verengte Herzkranzgefäße oder Darmkrebs. Die Diskussion über die Nutzen-Risiko-Abwägung bei nicht standardisierten Früherkennungsprogrammen nimmt an Fahrt auf, und das Bundesamt für Strahlenschutz bewertet wissenschaftlich, ob der Nutzen einer Untersuchung das Risiko überwiegt. Nur Verfahren, die diese Bewertung bestehen, können eingesetzt werden.

Der Strahlenskandal am UKE ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie wichtig klare Standards und Richtlinien in der Medizin sind. Die Aufarbeitung und die Lehren aus dieser Tragödie sind von entscheidender Bedeutung, um das Vertrauen in die medizinische Versorgung wiederherzustellen und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten. Weitere Informationen zu den Hintergründen des Skandals finden Sie in den entsprechenden Berichten von NDR und taz.