Die Zahl der Menschen, die unter Burnout-Diagnosen leiden, steigt rasant an. Besonders betroffen sind Frauen: Laut einer aktuellen Umfrage berichten 68 Prozent von ihnen, dass sie trotz Erschöpfung einfach weiter funktionieren müssen. Über 57 Prozent erwachen morgens nicht erholt. Diese alarmierenden Daten stammen aus dem Österreichischen Frauengesundheitsreport 2026, der 1.000 Frauen befragte. Die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit wird als wesentlicher Stressfaktor angesehen, da 68 Prozent der Frauen in der Umfrage angaben, dass sie die Verantwortung dafür nachts alleine tragen.

Experten warnen, dass die Situation noch ernster ist, als es scheint. Im Gesundheitswesen beispielsweise gehört das Personal zu den Risikogruppen für psychische Erschöpfung. Der DAK-Gesundheitsreport 2025 zeigt, dass Berufe mit direktem Patienten- oder Kundenkontakt hohe Burnout-Raten aufweisen. Medizinische Fachangestellte und Erzieherinnen sind besonders gefährdet, mit Raten von etwa 25 Prozent und 21 Prozent. Hohe Patient:innenzahlen und ein enormer Dokumentationsdruck tragen erheblich zu den Belastungen bei.

Die Rolle des Arbeitgebers

Arbeitgeber sind gesetzlich dazu verpflichtet, psychische Belastungen zu erfassen. Ein Handbuch der BAuA, das kürzlich veröffentlicht wurde, gibt konkrete Kriterien zur Gefährdungsbeurteilung vor. Die GDA empfiehlt, dass klare Gestaltungsziele gesetzt werden sollten, wie etwa ein angemessener Handlungsspielraum, regulierte Arbeitsmengen und verständliche Aufgaben. Zudem wird betont, dass Führungskräfte psychologische Sicherheit im Team fördern sollten.

Doch was passiert, wenn Unterstützung fehlt? Burnout bleibt oft lange unerkannt, da viele Mediziner die Symptome bagatellisieren. In Zeiten von „Masking“ oder „Camouflaging“ versuchen neurodivergente Menschen, sich an soziale Normen anzupassen, was zusätzlichen Stress verursacht. Studien zeigen, dass besonders bei Grundschülern die Fallzahlen von Überforderung steigen. Psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen sowie Schlafstörungen nehmen zu, was nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die gesamte Gesellschaft alarmierend ist.

Präventionsmaßnahmen dringend nötig

Angesichts dieser Situation ist es entscheidend, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Innovative Arbeitszeitmodelle, wie eine Vier-Tage-Arbeitswoche, zeigen positive Effekte auf die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter. Auch die Forderung nach einer Aufwertung der Pflegeberufe, sowohl sozial als auch finanziell, ist ein wichtiges Thema, um Fachkräfte langfristig im Gesundheitssystem zu halten.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Um die anhaltende Herausforderung der psychischen Gesundheit im Arbeitsfeld zu bewältigen, bleibt es essenziell, dass Politik und Kostenträger Reformen umsetzen. Der demografische Wandel mit einer steigenden Zahl an pflegebedürftigen Menschen verstärkt die Notwendigkeit, das Gesundheitswesen zukunftssicher zu gestalten. Die Bausteine sind klar: gezielte Präventionsstrategien, humane Arbeitsbedingungen und die Förderung eines positiven Arbeitsklimas sind notwendig, um den Teufelskreis von Überforderung und Erschöpfung zu durchbrechen.