Heute ist der 6.05.2026 und die Sonne scheint hier in Lokstedt. Das perfekte Wetter, um über ein sehr ernstes, aber auch berührendes Thema zu sprechen. Harald Krassnitzer, 65 Jahre alt, öffnet sein Herz und teilt uns etwas über eine schmerzhafte Phase seines Lebens mit. Er spielt im neuen Kinofilm „Der verlorene Mann“ einen an Demenz erkrankten Mann, was mit Sicherheit nicht nur schauspielerische Fähigkeiten erfordert, sondern auch eine tiefgehende persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz. Und diese Auseinandersetzung ist für Krassnitzer alles andere als theoretisch. Denn seine eigene Mutter ist mit 95 Jahren an dieser heimtückischen Krankheit gestorben.
In seinen letzten Monaten erkannte sie ihren Sohn nicht mehr, und die Worte, die er mit so viel Liebe für sie hatte, drangen nicht mehr zu ihr durch. Das muss schrecklich gewesen sein. Ich kann mir nur vorstellen, wie es für ihn war, als er zwischen dem hektischen Beruf und den Besuchen bei seiner Mutter pendelte. Es ist eine emotionale Achterbahn, die viele pflegende Angehörige durchleben. Auch wenn es für Krassnitzer eine sehr persönliche Erfahrung war, so trifft es doch den Kern von etwas, das viele Menschen kennen.
Die stille Zuwendung
Eine der bewegendsten Erinnerungen, die Krassnitzer mit uns teilt, ist eine stille Situation, in der seine Schwester einfach nur an das Bett ihrer Mutter saß und sie sanft streichelte. Nach einer halben Stunde nickte die Mutter seiner Schwester zu – ein kleiner, aber kraftvoller Moment, der für Krassnitzer ein Wendepunkt war. In dieser Stille erkannte er, was echte Zuwendung bedeutet, auch ohne Worte. Es ist eine Art von Verbindung, die tief in der Seele verwurzelt ist und für viele von uns kaum in Worte zu fassen ist.
Die Demenz seiner Mutter hat ihn über Jahre geprägt. Es ist nicht nur eine Krankheit, sondern eine echte Herausforderung für die ganze Familie. Viele Angehörige, die mit ähnlichen Situationen konfrontiert sind, können an ihre Grenzen stoßen. Daher ist es wichtig, frühzeitig Beratung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. bietet beispielsweise ein Alzheimer-Telefon an – die Nummer ist 030 259 37 95 14. Und für all jene, die einen Wegweiser durch den Dschungel der Informationen benötigen, gibt es den Wegweiser Demenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Unterstützung für Angehörige
Natürlich ist es nicht nur wichtig, die Erkrankten zu unterstützen, sondern auch die Angehörigen. Pflegestützpunkte und Pflegeberatungsstellen sind da eine wertvolle Anlaufstelle, die kostenlose, unabhängige Informationen zur Pflege von Menschen mit Demenz bieten. Und bei emotionalen Belastungen gibt es auch Hilfe: Der ärztliche Bereitschaftsdienst steht unter 116 117 für belastende Gefühle zur Verfügung. Es ist mehr als nur ein Anruf – es ist eine Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.
Für viele ist der Austausch mit anderen in Selbsthilfe- und Angehörigengruppen eine erlösende Erfahrung. Hier kann man die eigenen Sorgen und Ängste teilen und merkt oft, dass man nicht allein ist. Die nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS) hat dazu eine Datenbank. Es gibt immer einen Weg, sich zu vernetzen und Unterstützung zu finden.
Die Erfahrungen von Harald Krassnitzer sind nicht nur persönliche Erzählungen, sondern stehen auch für eine größere Realität, die viele von uns vergessen, wenn wir durch den Alltag hetzen. Die Krankheit verändert nicht nur die Beziehung zu den Betroffenen, sondern auch die eigene Wahrnehmung von Nähe und Liebe. Es ist eine ständige Erinnerungen daran, was wirklich zählt – die kleinen Gesten, das stille Verständnis, die unbedingte Zuwendung, auch wenn die Worte fehlen.