Neues Konzept für Hamburgs Straßensozialarbeit: Startschuss ist gefallen!
Hamburgs Straßensozialarbeit steht vor einem grundlegenden Umbau. Die Sozialbehörde hat ein neues Konzept vorgestellt, das nun schrittweise umgesetzt wird. Das Diakonische Werk bleibt wichtigster Träger im Bezirk Harburg, während in den Bezirken Mitte und Altona derzeit noch kein geeigneter Träger nach den neuen Vorgaben gefunden werden konnte. Diese Neustrukturierung ist ein entscheidender Schritt in einem Bereich, der immer wieder in der Kritik steht.
Wohlfahrtsverbände und Fachkräfte in der Sozialarbeit äußern Bedenken gegenüber den neuen Anforderungen. Insbesondere die beharrliche Ansprache von Obdachlosen und die enge Zusammenarbeit mit Ordnungskräften stehen in der Kritik. Diese praktischen Maßnahmen widersprechen der akzeptierenden Sozialarbeit, die auf Freiwilligkeit basiert. Der Bezirk Mitte hat die Straßensozialarbeit als Ressort übernommen, während in Altona zunächst freie Träger weiterhin die Straßensozialarbeit anbieten werden, bis das Bezirksamt vollständig übernimmt. Der Bedarf an einer gut organisierten Straßensozialarbeit ist hoch, vor allem wegen der fast 4.000 Menschen, die laut Wohnungslosenbericht des Bundes in Hamburg auf der Straße leben.
Vielfältige Angebote und Initiativen
Hamburg setzt zahlreiche Programme zur Unterstützung obdachloser Menschen um. Das Projekt „Visite Sozial“ beispielsweise wurde 2019 ins Leben gerufen und zielt darauf ab, die Beratungsangebote für obdachlose Menschen, insbesondere EU-Zugewanderte, zu erweitern. Zudem sind Straßensozialarbeiter in der Stadt tätig, die direkt auf der Straße beraten und helfen, das soziale Hilfesystem zu integrieren. Diese Ziele unterstreichen die Bemühungen der Stadt, die Lebenslage von obdachlosen Menschen nachhaltig zu verbessern.
Ein weiteres novelles Konzept ist das „Streetwork-Mobil“, das seit Januar 2025 im Einsatz ist und gezielt in Stadtgebieten mit wenigen Hilfsangeboten tätig wird. Diese mobile Form der Straßensozialarbeit zielt darauf ab, Hilfe direkt vor Ort bereitzustellen und zu vermitteln. Gleichzeitig erhält auch der „Mitternachtsbus“ Unterstützung: Er versorgt täglich obdachlose Menschen in der Innenstadt mit heißen Getränken, Lebensmitteln und Kleidung.
Ein ganzheitlicher Ansatz gegen Wohnungslosigkeit
Die Bundesregierung hat sich in einem umfassenden Aktionsplan zum Ziel gesetzt, die Obdach- und Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030 zu überwinden. Dies umfasst Maßnahmen, die die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Kommunen und der Zivilgesellschaft stärken. In Hamburg zeigt sich, dass das Problem der Wohnungslosigkeit immer noch auf der Tagesordnung steht und eine intensivere Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen erforderlich ist, um effektiv handeln zu können. Allein in Europa sind laut FEANTSA etwa 1,3 Millionen Menschen wohnungslos, was die Brisanz dieses Themas verdeutlicht.
Um den Herausforderungen zu begegnen, wurden verschiedene Impulsmaßnahmen beschlossen, darunter auch die Aufstockung von finanziellen Hilfen für sozialen Wohnungsbau und Anpassungen des Wohngelds, die seit 2023 von der Bundesregierung umgesetzt werden. Hamburg ist gefordert, diese Entwicklungen im Sinne der dort lebenden Menschen aktiv zu gestalten.
Die neue Organisation der Straßensozialarbeit in Hamburg könnte also ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein, um den großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit entgegenzuwirken. Bleibt zu hoffen, dass die verschiedenen Programme und Initiativen die dringend erforderlichen Verbesserungen bringen. Informationen zu Hilfsangeboten sind unter anderem im Diakonie-Zentrum für Wohnungslose in Hamburg-Eimsbüttel erhältlich.
Weitere Details finden sich in den Berichten von NDR, hamburg.de und bmwsb.bund.de.
