Die Zukunft des Nachtzugverkehrs in Deutschland steht auf der Kippe. Während der Rest Europas sich auf einen Wiederaufstieg der Nachtzüge freut, wird Deutschland von ewigen Baustellen, einer hohen Schienenmaut und ständigen Ausfällen geplagt. Nachtzug-Betreiber meiden unser Land, was sich deutlich in der Anzahl der zur Verfügung stehenden Verbindungen widerspiegelt. Aktuell sind es etwa 60 Nachtzüge in Europa, von denen viele Deutschland gar nicht bedienen. Ein trauriger Umstand, denn laut einer Umfrage von Opinionway haben 31% der Deutschen in den letzten sechs Jahren Nachtzüge genutzt, und 83% würden dies wieder tun, wenn die Angebote stimmen würden.
Ein weiterer Dämpfer kam vor zehn Jahren, als die Deutsche Bahn den Nachtzugbetrieb einstellte, da er als unrentabel galt. Inzwischen haben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) die Nachtzugflotte übernommen und bieten bereits 24 internationale Strecken an. Dieser Erfolg könnte jedoch für Deutschland nicht viel Gutes bedeuten. Denn die ÖBB plant, beliebte Verbindungen wie Brüssel–Berlin und Paris–Berlin aufgrund unberechenbarer Gleisbauarbeiten in Deutschland einzustellen. Bis 2030 will die ÖBB die Zahl der Nachtpassagiere von 1,5 Millionen auf drei Millionen pro Jahr steigern – allerdings kaum in Deutschland.
Die Herausforderungen der Nachtzüge in Deutschland
Die Schienenmaut in Deutschland beträgt zwischen 9 und 12 Euro pro Kilometer, was die Kosten für Nachtzug-Betreiber massiv erhöht. Dies ist ein Grund, warum die Verbindungen zwischen großen Städten wie München, Stuttgart und Rom oder Venedig zwar in Planung sind, aber die Zukunft ungewiss bleibt. Dennoch gibt es Lichtblicke: Der belgisch-niederländische Betreiber European Sleeper plant für 2026 neue Nachtzugstrecken nach Deutschland, darunter die Verbindung Paris–Berlin und die Strecke Berlin–Hamburg-Harburg–Paris.
Die Rückkehr der Nachtzüge könnte auch von einem erhöhten Sicherheitsgefühl abhängen. Nachtzüge sind bekannt für ihre Sicherheit, besonders für Alleinreisende. Die Abteile sind abschließbar, das Bordpersonal ist die ganze Nacht ansprechbar, und es gibt sogar spezielle Damen-Abteile für Frauen. Nightjet-Tickets beinhalten je nach Kategorie Sitzplatz, Liegeplatz oder Bett, inklusive Bettwäsche, Kissen und Decke. In den Schlafwagen sind zusätzlich Handtücher und Amenities enthalten, und für diejenigen, die es sich leisten können, gibt es Schlafwagen-Deluxe mit privaten Duschen.
Buchung und Reiseerlebnis
Die Buchung von Nightjet-Tickets kann bis zu 12 Monate im Voraus erfolgen, und für beliebte Routen wird empfohlen, 2-3 Monate vorher zu buchen. Das Deutschland-Ticket gilt allerdings nicht für Nachtzüge, was zusätzliche Planung erfordert. Trotz der Herausforderungen gibt es auch Alternativen: Der Nachtzug „SJ Euronight“ von Stockholm nach Hamburg und Berlin wird nach dem 31. August 2026 eingestellt, aber Snälltåget bietet weiterhin eine Verbindung von Berlin nach Stockholm an, wenn auch nicht täglich. Auch der RDC Deutschland plant, den Nightexpress von Berlin nach Stockholm nach 2026 weiter zu betreiben, jedoch nicht mehr täglich.
Die Aussichten für Nachtzüge in Deutschland sind gemischt. Während einige Betreiber mutig neue Strecken planen, bleibt die Frage, ob Deutschland den Anschluss an die europäischen Nachtzug-Trends finden kann. Die Beliebtheit von Nachtzügen, kombiniert mit einem gestiegenen Sicherheitsgefühl und einem komfortablen Reiseerlebnis, könnte jedoch dazu beitragen, dass die Deutschen bald wieder die Nachtzüge für sich entdecken.