In Harburg, am Hainholzweg 140, wird Geschichte gerade dem Erdboden gleichgemacht. Die alte Villa, die einst als „Waldhaus“ bekannt war, steht vor ihrem endgültigen Abriss. Ein Rückblick auf die Vergangenheit dieser 125 Jahre alten Schatztruhe zeigt, dass hier nicht nur Wände, sondern auch Erinnerungen und Geschichten lebten. August Helms, ein erfolgreicher Kaufmann des 19. Jahrhunderts, nutzte das Anwesen als Sommerhaus für seine Familie. Seine Spuren reichen weit – er war nicht nur im Mehl- und Futtermittelhandel erfolgreich, sondern auch ein treibender Geist hinter dem Museumsverein für den Stadt- und Landkreis Harburg.

Der Abriss hat bereits begonnen. Anwohner zeigen sich besorgt und hängten ein Spruchband mit der provokanten Botschaft „Abriss stoppen“ vor das verwilderte Grundstück. Es ist kaum zu glauben, dass dieses einst prächtige Gebäude mit offenen Türen und ohne sichtbare Feuchtigkeitsschäden dem Abrisshammer weichen soll. Der Eigentümer plant, das historische Erbe durch einen Neubau zu ersetzen – ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten, das im April 2025 genehmigt wurde. Doch das Bezirksamt Harburg hat klargestellt, dass aus bauordnungs- oder planungsrechtlichen Gründen kein Denkmalschutz besteht, was die Situation noch brisanter macht.

Ein Erhaltungsantrag und die stadtgeschichtliche Relevanz

Die Volt-Fraktion hat einen Antrag zur Prüfung der Erhaltungswürdigkeit der Helms-Villa eingereicht. Ein Blick auf die Denkmalliste zeigt, dass nur die Apostelkirche im Hainholzweg dort aufgeführt ist – die Villa hingegen nicht. Das Archäologische Museum Hamburg und das Stadtmuseum Harburg haben jedoch die stadtgeschichtliche Relevanz des Gebäudes bestätigt. Die Villa ist mehr als nur ein alter Bau; sie verkörpert einen Teil der Identität von Harburg und seiner Entwicklung.

Helms war nicht nur ein Unternehmer, sondern auch ein Senator und ein Visionär, der 1898 den Museumsverein gründete. Seine Initiativen führten zur Eröffnung des Helms-Museums im Jahr 1925, das die Geschichte der Region bewahrt. Unklar bleibt, wie lange Helms selbst in der Villa lebte. Nach 1933 fanden jüdische Bewohner in der Villa ein Zuhause, bevor sie von den Nazis vertrieben wurden. Nach dem Krieg wohnte dort der Arzt Albert Westendorf bis in die 1960er Jahre. Die Geschichten, die diese Wände tragen, sind unzählbar und von unschätzbarem Wert.

Der Kampf um das Erbe

Die drohende Unumkehrbarkeit des Abrisses wirft Fragen auf. Warum wird ein Gebäude, das so viel über die Vergangenheit erzählt, einfach abgerissen? Der Denkmalschutzamt hat darauf hingewiesen, dass auch nicht gelistete Gebäude zur Prüfung vorgeschlagen werden können. Es reicht aus, wenn das Gebäude geschichtliche, künstlerische oder wissenschaftliche Bedeutung hat oder charakteristische Eigenheiten des Stadtbildes bewahrt. Ein dringender Beratungs- und Prüfbedarf ist also gegeben – und das nicht nur für die Helms-Villa, sondern für viele denkmalwürdige Gebäude in Harburg.

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Dr. Nils Meyer, der die Referatsleitung im Denkmalschutzamt innehat, könnte hier die entscheidende Rolle spielen. Vielleicht könnte eine Kontaktaufnahme bei der BKM Hamburg mehr Licht ins Dunkel bringen. Die E-Mail-Adresse lautet nils.meyer@bkm.hamburg und die Telefonnummer ist 040 42824-710. Ein Anruf, um mehr über die Perspektiven für die Helms-Villa zu erfahren, könnte sich lohnen. Vielleicht ist der Kampf um das Waldhaus noch nicht verloren.